Chance - Virtueller Rundgang

Eberhard Schuy, dem ich nicht nur wegen seiner genialen Produktfotografien in den sozialen Medien folge, hat am 28. März dieses Jahres in Facebook und auf seiner Homepage einen interessanten Text veröffentlicht.

In jeder Krise liegt auch eine Chance, auch für Fotografen. Von der Chance der seltenen Motive (eine ganze Landebahn voller geparkter Flugzeuge) bis zur Chance für neue Geschäftsfelder.

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Carrè des fluers - Der Blumenladen meiner Schwerster


Diese Woche telefonierte ich mit meinem Freund und Werbefotograf Horst Bless. Ihm bereitet die Zukunft auch gewisse sorgen, denn einer seiner Kunden ist ein Maschinenbauer, der Autowerkstätten beliefert. Die Aussichten sind hier eher gedämpft.

Auch der Reiseindustrie stehen keine rosigen Zeiten bevor. Doch, und so waren wir uns einig, auch in der Krise wollen die Leute entspannen. Nicht in Italien, Spanien, der Karibik oder Thailand werden wir wohl den nächsten Urlaub verbringen. Und die lokalen Anbieter werden verstärkt um neue Kunden werben. Ein Standbein bei der Produktfotografie für meinen Freund sind Weinflaschen für Winzer aus allen Anbaugebieten Deutschlands. Und einige seiner Kunden haben auch Ferienwohnungen auf dem Hof.

Wenn ich mich an ein 360°-Panorama mache, dann mit der DSLR, dem Panokopf und viel Zeit. Unter 29 Aufnahmen geht da nichts. Aber wäre das eine Chance für einen Werbefotografen, in Zeiten in denen ein Foto einer Weinflasche standardisiert zum Tiefstpreis im Internet angeboten wird?

Die Zeit, die ich für ein Panorama verbringe, ist mein Ausgleich zum Stress im Beruf. Für einen Berufsfotografen ist sie etwas, was er dem Kunden in Rechnung stellen muss. Und dann stellt sich die Frage, ist dieser bereit einen hohen Preis zu zahlen.

Mit einem Fisheye komme ich auf 4 Aufnahmen, also weniger Zeit bei der Aufnahme, schneller gestitcht und deshalb weniger Kosten. Und auch weniger Daten und somit Qualität. Die Frage für mich war, bekomme ich das effektiv und günstig hin, in einer Qualität, die für die meisten reicht. Diese Frage wollte ich mir selbst beantworten und habe für meine Schwester einen kleinen virtuellen Rundgang erstellt, der über StreetView mit ihrem Geschäftseintrag bei Google verknüpft ist.

Zum Stitchen bedarf es mehr als Lightroom/Photoshop. Ich setzte PTGui Pro ein. Und bei meinem kleinen Testprojekt hat mir der Kundendienst sehr geholfen. Um einem Kunden ein Panorama für Werbezwecke anzubieten, sollte dies keine Stitchingfehler enthalten. Das wird mit Lightroom oder Photoshop schon schwer. Den neben der Zeit bei der Aufnahme fällt auch die Zeit zur Bearbeitung an. Und hier braucht es auch vernünftiges Werkzeug. Zur Retusche finde ich den Weg über pano2VR zu Photoshop und dann zurück in pano2VR genial. Das verkürzt die Bearbeitungszeit erheblich. Bedeutet aber für den Fotografen wieder die Investition in Software.

Es ist nicht damit getan, eine 360°-Kamera zu kaufen, die automatisch die Bilder stitcht. Denn, auch wenn die Leistungen erstaunlich sind, es bedarf des Handwerks und gute Bilder zu bekommen. Und wie in der Beautyfotografie braucht es auch Retusche. Der kleine Pickel fällt uns Männern bei Frauen nicht auf, wenn sie an uns vorübergehen. Selbst wenn sie uns gegenübersitzen fällt er nicht so ins Auge, wie wenn wir Zeit haben, das Bild der Frau lange zu betrachten, ohne dass sie sich bewegt. Und so ist es auch bei Panoramen für virtuelle Rundgänge. Der Betrachter kann verweilen, zoomen und die Ansicht nach Belieben drehen. Und schon sticht ihm etwas ins Auge, dass er im Vorübergehen nie gesehen hätte.

Mein Fazit nach dem Test. In annehmbarer Zeit hatte ich 3 Aufnahmen aus dem Blumenladen meiner Schwester. Und der Workflow, den ich mir nun erarbeitet habe, eignet sich auch für ein schnelles, effektives und somit bezahlbares Arbeiten.

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Nichts ist zurzeit normal

Seit Wochen beherrscht uns Covid-19. Social Distancing und Lockdown sind Schlagworte die uns begleiten. Urlaubsflüge und auch die meisten Geschäftsreisen finden nicht statt. So ist es bei uns am Himmel derzeit eher ruhig.

Als ich am Donnerstag mit einem Kollegen darüber sprach, was wir Ostern so vorhaben, erwähnte er seine Planung für eine Radtour zu den derzeit geparkten Maschinen am Frankfurter Flughafen.

Ich habe dann gestern erst recherchiert und mir in Googlemaps die Landebahn Nordwest angesehen. Da war mir schnell klar, wenn dann muss ich da zum Sonnenaufgang hin. Und so machte ich mich heute Morgen in aller Frühe auf den Weg zu einem herrlichen Erlebnis.

Auswirkungen im Flugverkehr
Die Landebahn Nordwest am Frankfurter Flughafen dient derzeit als Parkplatz für die Lufthansamaschinen am Boden.

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Ein Sonnenaufgang

Heute Morgen parkte ich, ging dann erst an das Rheinufer und dann auf das Dach im 19. Stockwerk unseres Betriebsgebäudes. Bevor ich mich in den Stress des neuen Arbeitstages stürzt, genoss ich den frühen Morgen mit Nebel, dünnem Eis und Stille hoch über dem Rhein.

Heute Abend, nachdem ich die Bilder von heute in Lightroom importiert und das Bild bearbeitet hatte, suchte ich nach Lyrik mit Sonnenaufgängen.

Google brachte mich dann zu Stefan George. Auch ein Rheinhesse, wie ich. Das Gedicht fand ich passend zu der Stimmung des Morgens und des Bildes. Und die Tatsache, dass ich bei der Recherche auf einen Rheinhessen stieß, faszinierte mich.

Ein Sonnenaufgang

Vor kurzem entzündete sich
Auf dunklem ofen des himmels
Nach kalter winternacht
Die neue sonne.

Nun zeigt sie sich im ersten leuchten
Sie schimmert still.
Mit den wolken die sie umflattern
Die ihren glanz widerspiegeln

Erhellet sie spärlich
Die morgendämmerung.
Schnell verstärkt sie sich
Und die farbigen vorhänge

Die ihr zu nah kommen
Erfasst und sengt sie.
Darauf erfüllt sich
Die ganze luft mit grauem

Undurchdringlichem rauch.
Es wächst und wächst wärme und licht
Bis endlich alles – wolken und nebel
In unendlicher feuersbrunst

Lohend verschlungen werden
Und ohne fremde nahrung
Durch eigene kraft allein
Die flammende scheibe strahlt.

Stefan George (1868 – 1934)

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