Städtereise
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Der gefährliche Blick hinter die Büsche

Lesezeit: 2 Minuten

Der Schlossgarten in Schwetzingen bietet viele interessante Motive. Künstler, ob Fotografen, Maler oder Zeichner können sich dort Inspirationen von der Gartenkunst holen. Aus der Gestaltung des Gartens die Bildgestaltung ableiten. Albrecht Rissler zeigt in seinem Buch »Komposition« wundervolle Bilder aus dem Schlosspark und hat in mir, als ich im Winter das Buch las, meine Lust am Schlossgarten wieder geweckt.

Seither gehe ich wieder öfters nach Schwetzingen. Nehme mir die Zeit nach Feierabend, entspanne in der gestalteten Natur. Und lustwandle.

Am Ende des Weges steht die Ziervase und lockt in die Sackgasse

Meistens bin ich die breiten Wege zu meinem Ziel gelaufen. Strebend zu dem Punkt, an dem ich meine, das Bild zu machen, das ich machen möchte, das meiner Stimmung entspricht. Zielstrebig.

Die Seitenwege, die Wege mit einem toten Ende vermeide ich, denn sie führen mich nicht zu den Zielen, die ich im Sinn habe. Den Standorten mit den klassischen Sichtachsen.

Und doch, am Ende eines Weges, von dem ich weiß, dass er nicht weiterführt, weil ich weiß, was dahinter liegt, weil ich den Plan des Gartens kenne. Am Ende des Weges lockte mich in eine Nische der Hainbuchenhecke die Ziervase. Mit leichter Telebrennweite zog ich vom Hauptweg aus die Distanz zusammen. Doch die Szene auf der Vase zog mich noch nicht in den Bann, obwohl ich schon in dem Moment, als ich mit 200 mm heranzoomte, die Geschichte auf der Vase an den wartenden Hunden erkennen hätte können.

Die brav wartenden Hunde sind ein Hinweis aus die Tragödie, die sich auf der Vase entwickelt

Das Spiel des Lichtes auf der Vase lockte mich in den engen Weg zwischen den Buchenhecken. Vielleicht war es auch der Frühling, der mich spüren ließ, dass ich der Ecke der Hecke die Erotik des Lustwandelns wartete. So ging ich an den friedlich aussehenden Hunden vorbei und erblickte die nackte Schönheit beim Bade. Der Köcher mit den Pfeilen war dann Mahnung und Hinweis zugleich.

Hier badet eine Jägerin mit ihren Gespielinnen.

Diana, die Göttin der Jagt. Unbeschwert genießt sie ihr Bad im Kreise ihrer Gespielinnen. Doch wehe dem, der einen Blick auf ihrem nackten, schönen Körper erhascht.

Und flieht da nicht einer? Hinter dem Wasserfall und dem Baum.

Ja, da flieht Aktaion und schon wächst sein Geweih. Gleich wird er sich wandeln zum Hirsch und die Hunde, die doch gerade noch brav warteten, werden ihn zerreißen. Sein Schicksal ist nun schon besiegelt.

Rubens hat die Szene auch gemalt. Im Januar konnte ich das Original im Städel bewundern. Ein ausdrucksstarkes Bild, von dem ich froh bin, es im Original gesehen zu haben. Keine Reproduktion, ob in einem Buch oder im Internet haben diese Kraft inne. Und der Gang in den Weg und um diese Vase haben in mir die Erinnerung an die Kraft des Bildes wieder geweckt. Zum Glück war der Blick hinter die Büsche nicht so tragisch, wie einst für Aktaion.

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