Puritanische Zensur und Facebooks Moral

Als ich mich heute bei Facebook anmelden wollte musste ich lesen:

Lies dir die Facebook-Gemeinschaftsstandards durch
Wir schränken die Darstellung von Nacktheit ein. Auch manche Beschreibungen sexueller Handlungen können entfernt werden. Diese Einschränkungen der Darstellung von Nacktheit oder sexuellen Handlungen gelten auch für digital erstellte Inhalte, es sei denn, die Inhalte wurden zu Bildungszwecken gepostet oder es handelt sich um humorvolle oder satirische Darstellungen.
Inhalte, die mit sexueller Gewalt und Ausbeutung drohen oder diese unterstützen, werden entfernt. Dazu gehören die Anforderung sexueller Materialien, sämtliche sexuelle Inhalte, bei denen Minderjährige eine Rolle spielen, Erpressungen, bei denen es um das Teilen intimer Bilder geht, sowie das Anbieten sexueller Dienstleistungen. Gegebenenfalls verwenden wir solche Inhalte zum Zwecke der Strafverfolgung.
Weitere Informationen über die Art von Nachrichten und Beiträgen, die auf Facebook zulässig sind, findest du in den Facebook Gemeinschaftsstandards.

Facebook hat einen Beitrag, der lediglich diesen Link enthielt, auf meiner Seite gelöscht. Das Bild hat meiner Meinung nach keinen sexuellen Bezug.

Aber Facebook folgt nun mal puritanischen Moralvorstellungen. Nacktheit pfui! Europäischen Datenschutz ignorieren! Hasskommentare tolerieren! Und Fakenews weiter online lassen, aber wenigstens mit einem Warnhinweis versehen. Das ist die Welt der Verantwortlichen bei Facebook.

Natürlich kann Facebook Regeln definieren und wer Facebook nutzen möchte muss sich an diese halten. Ich habe also Facebook versprochen, nie mehr nackte Haut zu teilen! Ach ja und natürlich auch keine Links, die zu solcher führen.

Das Bild entstand 2004 auf Film.

 

Unter den Top 10%

Im Weihnachtsurlaub habe ich gurushots.com entdeckt. Dort gibt es Photo Challenges, bei denen dann die Beitragsbilder anonym bewertete werden.

Das Konzept finde ich interessant. Und so habe ich an den ersten Wettbewerben teilgenommen. Beim Dritten kam ich unter die Top 10% mit  2660 Stimmen. 

Wie eines der Beitragsbilder bearbeitet wurde findet sich hier

Vorher – Nachher

Die Aufnahme entstand währende eines Mallorcaurlaubes. Da kein ausgesprochenes Strandwetter herrschte, ging es zu Fuß der Steilküste entlang.

Die Raw-Datei direkt aus der Kamera heraus erfordert etwas Bearbeitung, damit ein Urlaubsfoto entsteht. Als Erstes habe ich mich für einen Bildlook entschieden, der dem Postkartenidyll entspricht. Den Kodachrome verbinde ich, auch aus persönlichem Erleben, mit Urlaub. Die meisten Betrachter werden bei der Farbanmutung aber auch vergangene Zeiten assoziieren.

Neben dem Farblook habe ich auch die Gradationskurve an den Kodachrome angepasst. Und da der Himmel zu wenig Zeichnung hatte, es war ja ein trüber Tag, habe ich in den Himmel einen Verlaufsfilter gelegt, der im oberen Bereich die Belichtung um 1,3 Blenden reduziert.

 

Formatfrage

»Wer schaut sich Bilder im Hochformat an?« Ja, ich fotografiere gern auch im Hochformat. Und wohl deshalb habe ich schon oft diesen Satz gehört. Unser normales Sehen, das Format unseres Schauens ist das Querformat. Daran sind wir also gewöhnt.

Die Standardhaltung bei Kleinbildkameras und Digitalkameras ist im Querformat. Nur professionelle DSLR-Kameras verfügen über einen Griff für das Hochformat. Das Querformat ist also systembedingt der Standard. Bei den früher beliebten Box-Kameras war dies nicht so. Die Agfa Box hatte ihren Auslöser an der linken Seite, der nach unten gedrückt wurde. Aufgrund der langen Belichtungszeit, musste die Kamera mit beiden Händen gehalten werden, was im Querformat schwieriger war. Vielleicht kommt meine Vorliebe für das Hochformat daher, war doch eine Agfa Synchron meine erste Kamera.

© Agfa Camera-Werk AG, München

Der Kompromiss zwischen dem Hoch- und Querformat ist das Quadrat. Klassische Mittelformatkameras wie die Hasselblad 500 oder schon früher die Rolleiflex belichteten auf den 120 Film mit 6×6.

Die erste Fotografie von Joseph Nicéphore Niépce ist im Querformat (25,8 x 29 cm)1. Ansel Adams fotografierte mit seiner 8 x 10 Kamera Boards and Thistles2, die Abzüge entstanden jedoch in Hochformaten als Silbergelatineabzüge. In der Historischen Gernsheim-Sammlung, die heute dem Harry Ransom Center, The University of Texas gehört, befindet sich ein Abzug im Format 23,1 x 16,7 cm3, das MoMA besitzt ein Abzug im Format 22,9 x 17,2 cm4 und Christie’s versteigerte 2013 einen Künstlerabzug von 1976 im Format 49,2 x 38,5 cm5.

Die obere Reihe zeigt die einzelnen Abzüge im Maßstab,
die zweite Reihe die Abzüge proportional übereinander gelegt.

Ansel Adams hat, wie man an den drei Abzügen sieht, sich bei Boards and Thistles nicht auf ein exaktes Format, bzw. Seitenverhältnis festgelegt. Neben der Frage, ob Hoch- oder Querformat, stellt sich auch die Frage nach den Seitenverhältnissen.

Die Auswahl des Bildformates ist Teil der Bildgestaltung. Von ihr hängt ab, ob ein Bild den Betrachter anspricht. Die Bildgestaltung sollte idealerweise schon vor der Aufnahme beginnen. Gesetzmäßigkeiten von Kompositionen lassen sich zwar erlernen, aber die fotografische Umsetzung bedarf ständiger Übung. Für diesen Blogbeitrag bin ich heute mit der Absicht losgegangen Bilder zu fotografieren, deren Aussage durch das Hoch- oder Querformat bestimmt werden oder gar verändert werden. Mit diesem Bewusstsein beginnt die Bildgestaltung schon bei der Aufnahme. Ich empfehle zum Nachvollziehen und Üben nicht auf Bilder in der eigenen Sammlung zurückzugreifen, sondern bewusst einen Fotospaziergang zu unternehmen, der zum Ziel hat, die entsprechenden Aufnahmen zu machen.

Das Rechteck

Fällt noch durch das Objektiv noch ein rundes Bild, wird dieses schon durch das Kameragehäuse und das Aufnahmemedium (Film oder Chip) in die Form eines Rechteckes gebracht. Deutlich wird dies, wenn an eine Vollformatkamera (FX) ein Objektiv, das für APS-C berechnet wurde (DX), angebracht wird. Bei den Aufnahmen ist dann zu sehen, dass der kleinere Bildkreis das Aufnahmeformat nicht vollständig abdeckt. Es kommt zu einer mehr oder minder starken Vignettierung.

Unter Umständen denken Sie sich jetzt, die Entscheidung für Hoch- oder Querformat ist doch einfach, sie wird vom Motiv oder Sujets vorgegeben. Heißt doch im Englischen nicht umsonst das Querformat Landscape (Landschaft) und das Hochformat Portrait (Porträt).
Nehmen Sie sich nun Papier und Stift zur Hand (oder wechseln in eine Textverarbeitung). Schließen Sie ihre Augen und denken an Querformat. Schreiben Sie anschließend ihre Gedanken dazu auf. Wiederholen Sie dies mit dem Gedanken an das Hochformat.

Schauen Sie sich nun die beiden nachfolgenden Bilder an und ergänzen ihre Liste.

Mit großer Wahrscheinlichkeit haben Sie beim Querformat an Landschaftsbilder gedacht. Aber auch Dinge wie Horizont, Meer, Stand, Berge, Bank, Schiff oder Flugzeug werden häufig mit dem Querformat in Verbindung gebracht. Beim Hochformat dürfte Ihnen Menschen als Erstes in den Sinn gekommen sein. Mit dem Hochformat werden auch Türme, Masten, Straßenschilder oder Haustüren in Verbindung gebracht.

Wenn wir bei den Formaten an Objekte und die damit verbundenen Gefühle denken, können wir auch feststellen, wie diese die Bildaussage beeinflussen. Allgemein lässt sich sagen, mit dem Querformat bringen die Meisten die folgenden Begriffe in Verbindung:
Weite, Entfernung, Ruhe, Stille, Passivität, Normalität.
Begriffe für das Hochformat sind:
Enge, Nähe, Aktivität, Lärm, Aggressivität, Außergewöhnliches.6

Beim Betrachten eines Bildes im Querformat sehen wir uns wirklich nur als Betrachter, aus einer gewissen Distanz heraus. Unser Sichtfeld ist ein breites Oval, dem natürlichen Sehen entspricht also das Querformat. Somit ist das Hochformat außergewöhnlich.

Mit den Formaten lassen sich also gewisse Grundaussagen eines Bildes zum Ausdruck bringen. Diese können mit extremen Formaten verstärkt werden. Wird also das Seitenverhältnis verstärkt, wird gleichzeitig die Aussage verstärkt. Viel zu sehr sind wir an »Formate« gebunden. Papierformate beim Ausdruck, beim Belichten durch den Fotodienstleister, Formate beim Bildschirm, Formate für den Upload in soziale Medien beeinflussen uns. Aber die Bildaussage sollte im Vordergrund stehen. Ausdrucke und Ausbelichtungen auf Standardformate können Sie zuschneiden. Passepartouts gibt es heute günstig auch auf Ihr Wunschformat zugeschnitten online zu günstigen Preisen, Sie benötigen also keinen Passepartoutschneider mehr. Ein kleines Foto wird auch oft auf einen Träger montiert, damit es in einem größeren Rahmen präsentiert werden kann. Wenn eine Webseite ein Format vorgegeben hat, dann können Sie auch ihr beschnittenes Foto auf einer Ebene platzieren und dann als ein Bild in der erforderlichen Größe abspeichern.

Um den Ausschnitt zu bestimmen, nutze man früher Winkelmasken aus schwarzem Karton. Im analogen Bereich ist dies immer noch eine gute Methode. Digital geht das natürlich einfacher. In Lightroom lege ich mir virtuelle Kopien an (Befehl + T) und beschneide diese in verschwenden Versionen.

Achten Sie beim Beschneiden mit dem Freistellwerkzeug darauf, dass hinter Seitenverhältnis beibehalten das Schloss geöffnet ist.

Denn nur so können Sie extreme Seitenverhältnisse ausprobieren. Im Navigator erhalten Sie schon beim Beschneiden einen Überblick über das Ergebnis.

Achten sie in der Diashow unten darauf, wie sich durch die Änderungen der Formate die Bildaussagen ändern. Alle Bilder wurden mit den gleichen Einstellungen entwickelt. Zwischen den Bildpaaren ändert sich lediglich der Bildausschnitt. Das erste Bildpaar hat das gleiche Seitenverhältnis von 2:3. Die weiteren Bilder haben unterschiedliche Seitenverhältnisse, um die Wirkung eines extremeren Seitenverhältnisses zu demonstrieren.

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Auf dieser Seite können Sie die Dia-Show auch im Vollbildmodus (bessere Qualität) starten.

Ich wünsche viel Spaß beim Üben. In einem der nächsten Beiträge werde ich die Seitenverhältnisse beleuchten.


    1. Die Geburtsstunde der Fotografie, Kehrer Verlag Heidelberg, 2010, S. 99 ↩︎
    1. Ansel Adams and the American Landscape: A Biography, Jonathan Spaulding, University of California Press, 1998, s. 91 ↩︎
    1. Datenbank des Harry Ransom Center, abgerufen am 15.01.2017 ↩︎
    1. Homepage des MoMA, abgerufen am 14.01.2017 ↩︎
    1. Homepage des Auktionshauses, abgerufen am 14.01.2017 ↩︎
  1. vgl. Photokollegium 1, Jost J. Marchesi, Verlag Photographie, 4. Auflage 1985, S. 101 ↩︎

Wie meine Beiträge für diesen Blog entstehen

Auch wenn es bei diesem Blog um die Fotografie geht, ist es eventuell interessant, wie die Beiträge entstehen. Nachdem ich mich dazu entschieden habe diese Seite wieder, als WordPress-Blog zu betreiben, habe ich mir auch überlegt, wie ich das Schreiben der Beiträge effektiv gestalten kann.

WordPress bietet einen Editor. Doch hierzu ist es erforderlich online zu sein. Das sind wir heute zwar alle irgendwie, aber dennoch finde ich es persönlich besser Texte in einem klassischen Programm zu schreiben. Und gerade wenn es um längere Texte geht, bin ich Fan vom ablenkungsfreiem Schreiben. Word bietet einen entsprechenden Modus auch an. Doch seit einigen Jahren ist mein liebstes Schreibwerkzeug auf meinem Mac und iPad der iA Writer 1.

Zum Schreiben zu später Stunde bietet er einen Nachtmodus an. Diesen empfinde ich als sehr angenehm. Auf dem Bildschirm erscheint nichts als der reine Text. Und wenn man es noch fokussierter haben möchte, dann erscheint der Satz, der gerade im Entstehen ist, hervorgehoben. Gerade ich, der gerne Bandwurmsätze bildet, finde das äußerst praktisch. So habe ich im Blick, wenn ein Mammutsatz sich einschleichen will.

Neben der üblichen Statistik, wie Anzahl der Wörter, Zeichen, Sätze wird auch eine ungefähre Lesezeit angezeigt. Auch das finde ich für einen Blog wichtig.
Und neben den Vorteilen beim Schreiben und Redigieren bietet das Programm auch die Funktion den Text direkt, als Entwurf, in den Blog einzustellen. Dafür muss man natürlich wieder online sein.

Längere Texte entstehen also zunächst im iA Writer, werden dann bereitgestellt und dann erfolgt online in WordPress das Einfügen von Bildern.


1 Der iA Writer ist im App Store bzw. bei GooglePlay erhältlich. Die Homepage des Herstellers iA findet sich hier… ↩︎

Bildbearbeitung – leerstehendes Haus

Im letzten Sommer fotografierte ich rund um die Denkmalzone am Mark in Westhohen. Anlass war der Aufruf von Wikipedia zum Fotografieren von Denkmälern und in Westhofen fehlen noch einige Denkmäler.

Und jetzt startete bei gurushots.com ein Wettbewerb zu verlassenen Orten. Wie ich eines meiner Beitragsbilder in Lightroom bearbeitet habe zeige ich nun hier.

Das Ausgangsbild

Zunächst habe ich mir das Bild genauer betrachtet und mir die Stellen notiert, die ich bearbeiten möchte. Bei der Arbeit in Photoshop erledige ich das mit dem Grafiktablett auf einer neuen Ebene. In Lightroom ist dies leider nicht möglich, deshalb greife ich hier zu Stift und Papier.

Als erstes störten mich die stürzenden Linien, welche dem ungünstigen Aufnahmeort geschuldet sind. Ferner empfinde ich auf der rechten Seite das angeschnittene Verkehrsschild und links den Strommast als störend. Der Himmel ist mir allgemein zu hell. Und final wollte ich dem Bild farblich einen Retrolook verleihen.

Als ersten Schritt habe ich die Upright-Funktion von Lightroom mit der Einstellung „Auto“ angewandt.

Upright Auto

Nun habe ich am linken, oberen Bildrand ein Verlauf platziert. In diesem Bereich wird die Belichtung 2 Blenden nach unten korrigiert, d.h. alles oberhalb der ersten Linie wird um 2 Werte dunkler, unterhalb der dritten Linie wirkt sich die Korrektur nicht aus und dazwischen entsprechend dem Verlauf.

Um die Anmutung von analogen Film zu erhalten nutze ich Presets. In diesem Fall habe ich auf XEQUALS Color for LR zurückgegriffen. Zunächst habe ich die Vorgabe „Kodak Kodachrome 64 Mix“ angewandt. Diese steuert die Farbverteilung.

Wer nun die Farbanmutung des Kodachrome 64 ohne die Vorgabe nutzen möchte, kann die nebenstehenden Werte übernehmen.

Doch nicht nur die Farbwiedergabe macht den Filmlook aus. Auch der Kontrast und das Korn. Deshalb habe ich noch die Gradationskurve angepasst.

Neben dem Korn habe ich auch noch eine Vignette hinzugefügt. Dann erfolgte der endgültige Beschnitt, um den noch störenden Strommast zu entfernen.

Da mir jetzt die Farben noch etwas zu kalt waren, habe ich noch die Farbtemperatur angehoben. Ebenso habe ich abschließend noch die Belichtung etwas angepasst.

Mit wenigen Schritten habe ich so das Bild nach meinen Wünschen bearbeitet. Jetzt hoffe ich auf viele Stimmen in der Challenge.

Schnee in Rheinhessen

Rheinhessen ist eine der wärmsten und trockensten Gegenden Deutschlands. Da schneit es eher selten. Deshalb heißt es bei Schnee sofort nach draussen.
Für die Kinder zum Rodeln; für mich zum Fotografieren, denn wer weiß wie lange der Schnee liegen bleibt oder wann es wieder einmal schneit.

Hier die Bilder vom 10. Januar.

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